ZWS-Verfahren

Zuchtwertschätzungsmethoden: 
Seit Mai 2005 werden die Zuchtwerte (ZW) für Milch, Fett, Eiweiss und Zellzahl gemeinsam mit einem sogenannten Mehrmerkmals-Random Regression-Testtagsmodell geschätzt. Verwendet werden Milchproben aus allen Laktationen. Das Verfahren berücksichtigt den individuellen Laktationsverlauf der Kühe und liefert damit für Kühe und Stiere auch einen ZW für die Persistenz. Die Zellzahl-ZW werden seit Juli 2007 auch für Kühe publiziert (vorher nur für Stiere).

Die ZW Exterieur (lineare Beschreibung und Einstufung, LBE) und Melkbarkeit (Befragung Milchfluss im Rahmen der LBE) werden mit einem BLUP-Tiermodell geschätzt. Die LBE-Merkmale werden blockweise (Rahmen, Becken, Fundament, Euter, Zitzen inkl. MBK und Noten) ausgewertet (Mehrmerkmalsmodell). Ausgewertet werden Daten aus allen Laktationen.

Die ZWS Nutzungsdauer erfolgt mit einer sogenannten Lebensdaueranalyse, bei der auch die Daten von noch lebenden Töchtern der Stiere berücksichtigt werden können.

Für die ZW für die weibliche Fruchtbarkeit werden die fünf Einzelzuchtwerte Non-Return-Rate Rind, Verzögerungszeit Rind, Rastzeit, Non-Return-Rate Kuh und Verzöge­rungszeit Kuh zu einem Fruchtbarkeitsindex (ZW Fruchtbarkeit) zusam­mengefasst. Die Rindermerkmale werden mit je 1/12, die Kuhmerkmale Non-Return-Rate und Verzögerungszeit mit je 1/4 und die Rastzeit mit 1/3 gewichtet. Wegen der tiefen Erblichkeit werden diese ZW nur für die Stiere publiziert.

Die ZW für den Geburtsverlauf (Normal- und Lebendgeburtenrate) werden mit einem Mehrmerkmals-Vatermodell geschätzt. Seit 2006 werden, neben dem direkten Geburtsverlauf (Einfluss des Kalbes), auch Zuchtwerte für den Einfluss der Kuh geschätzt (maternaler Geburtsverlauf).

Interpretation der Zuchtwerte Milch, Fett und Eiweiss:
Seit Mai 2005 verwendet Braunvieh Schweiz folgende Basisdefinition in der ZWS: Durchschnittlicher Zuchtwert aller 6- bis 8-jährigen Kühe ist gleich Null. Diese sogenannt gleitende Basis wird jeweils im April angepasst und bleibt ein Jahr lang gültig. Die momentan gültige Basis (BV18) wird durch die Braunviehkühe mit Geburtsjahr 2010 bis 2012 gebildet. Da die gleitende Basis immer aktuell ist, wird die Interpretation der ZW im Vergleich zu früher einfacher, da keine Referenzwerte mehr berücksichtigt werden müssen. Anhand der ZW kann somit das genetische Potenzial eines Tieres direkt mit den ausgewachsenen Kühen der Population verglichen werden. Dabei kann die Tabelle "Interpretation der Zuchtwerte" wertvolle Anhaltspunkte liefern. Die angegebenen ZW-Bereiche sind als grobe Richtwerte zu interpretieren, die dank der gleitenden Basis über mehrere Jahre beibehalten werden können.

Funktionelle Merkmale:
Mit der Einführung der gleitenden Basis im Mai 2005 wurde auch die Darstellung der ZW für die funktionellen Merkmale Zellzahl, Persistenz, Nutzungsdauer, weibliche Fruchtbarkeit, Geburtsablauf und Milchfluss (MBK) angepasst. Die ZW dieser Merkmale werden auf Basis 100 und genetische Standardabweichung 12 standardisiert.

Auch Merkmale bei denen tiefe phänotypische Werte erwünscht sind (Zellzahl, Rastzeit) werden so dargestellt, dass immer hohe ZW angestrebt werden können. Dadurch wird die Interpretation wesentlich erleichtert: Zwei Drittel aller ZW dieser Merkmale liegen zwischen 90 und 110 Indexpunkten. ZW über 110 gelten als gut, solche über 120 als sehr gut. Extreme ZW über 130 oder unter 70 Indexpunkten sind selten.

Interpretation der Exterieur-Zuchtwerte:
Seit 1997 werden alle Erstmelkkühe in den Testbetrieben linear beschrieben und eingestuft. Die ZW werden als Indices dargestellt. Bei der Indexierung werden die durchschnittlichen ZW der sechs- bis achtjährigen Kühe gleich 100 gesetzt. Eine genetische Standardabweichung beträgt 12. Bei der Interpretation der Balkendiagramme im BrunaNet ist zu beachten, dass nicht immer ein langer Balken nach rechts erwünscht ist.

Interpretation der OB-Zuchtwerte:
Die ZW der Original Braunviehtiere werden auf einer separaten Basis dargestellt (Basis OB18). Damit OB-ZW mit Zuchtwerten auf der Braunvieh-Basis vergleichbar werden, müssen die in der Tabelle „Interpretation der ZW“ angegebenen Basiskonstanten berücksichtigt werden (ZW OB = ZW BV + OB-Konstante).

Interpretation der Zuchtwerte

Wertung

(% aller ZW)

mittel

(ca. 68 %)

gut

(ca. 14 %)

sehr gut

(ca. 2 %)

OB-

Konstante

Milch kg  -400 bis +400  +401 bis +800 > +800 +594
Fett kg -17 bis +17 +18 bis +35 > +35 +28
Fett % -0.15 bis +0.15 +0.16 bis +0.30 > 0.30 +0.06
Eiweiss kg -12 bis +12 +13 bis +25 > 25 +20
Eiweiss % -0.10 bis +0.10 +0.11 bis +0.20 > 0.20 -0.01
MIW 90 bis 110 111 bis 120 > 120 +15
Persistenz 90 bis 110 111 bis 120 > 120 -4
Zellzahl 90 bis 110 111 bis 120 > 120 -8
Exterieur 90 bis 110
111 bis 120
> 120
 
Nutzungsdauer 90 bis 110 111 bis 120 > 120 -9
Melkbarkeit 90 bis 110 111 bis 120 > 120 -6
Fruchtbarkeitsindex
90 bis 110 111 bis 120 > 120 -13
Normalgeburten direkt 90 bis 110 111 bis 120 > 120 +19
Normalgeburten maternal 90 bis 110 111 bis 120 > 120 +5
Lebendgeburten direkt 90 bis 110 111 bis 120 > 120 -5
Lebendgeburten maternal 90 bis 110 111 bis 120 > 120 -6
GZW 900 bis 1100 1101 bis 1200 > 1200 *
FIW 90 bis 110 111 bis 120 > 120 -4
WZW 90 bis 110 111 bis 120 > 120  *

* wegen unterschiedlicher Gewichtung der Merkmale können GZW, bzw. WZW bei BV und OB nicht direkt miteinander verglichen werden

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