Informationen zur ZWS

Zuchtwertschätzung (ZWS): Züchten heisst Nachkommen erzeugen, die besser sind als die Elterntiere. Diese geben nur das Erbgut weiter. Ihre Auswahl sollte aufgrund der genetischen Veranlagung und nicht wegen beobachteten Leistungen/Eigenschaften erfolgen. In der Milchviehzucht relevante Merkmale werden von vielen Genen beeinflusst.

Jeder Nachkomme erhält je eine Hälfte der Gene vom Vater und von der Mutter. Ein Elterntier gibt nicht an jedes Kalb die gleiche Stichprobe weiter. Deshalb zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Halb- und Vollgeschwistern.

Mit Hilfe der Zuchtwertschätzung (ZWS) werden die beobachtbaren, phänotypischen Informationen in die Komponenten Genetik und Umwelt aufgeteilt:

Phänotyp = Genetik + Umwelt

Der Zuchtwert (ZW) ist ein Schätzwert für die genetische Veranlagung des Tieres bezüglich eines bestimmten Merkmals. Mathematisch kann der wahre ZW eines Tieres, nach der Theorie der Populationsgenetik, wie folgt ausgedrückt werden:

Zuchtwert = 2 x (NKD – PD)
(NKD = Leistungsdurchschnitt der Nachkommen des Tieres)
(PD = Durchschnitt der Referenzpopulation)

ZWS-Verfahren

Die Zuchtwerte (ZW) für Milch, Fett, Eiweiss und Zellzahl werden gemeinsam mit einem sogenannten Mehrmerkmals-Random Regression-Testtagsmodell geschätzt. Verwendet werden Milchproben aus allen Laktationen. Das Verfahren berücksichtigt den individuellen Laktationsverlauf der Kühe und liefert damit für Kühe und Stiere auch einen ZW für die Persistenz. Die Zellzahl-ZW werden auch für Kühe publiziert.

Die ZW Exterieur (lineare Beschreibung und Einstufung, LBE), Melkbarkeit und Temperament beim Melken (Befragung anlässlich der LBE) werden mit einem BLUP-Tiermodell geschätzt. Die LBE-Merkmale werden blockweise (Rahmen, Becken, Fundament, Euter, Zitzen inkl. MBK und Noten) ausgewertet (Mehrmerkmalsmodell). Ausgewertet werden Daten aus allen Laktationen.

Die ZWS Nutzungsdauer erfolgt mit einer sogenannten Lebensdaueranalyse, bei der auch die Daten von noch lebenden Töchtern der Stiere berücksichtigt werden können.

In der ZWS für die weibliche Fruchtbarkeit werden die fünf Einzelzuchtwerte Non-Return-Rate Rind, Verzögerungszeit Rind, Rastzeit, Non-Return-Rate Kuh und Verzögerungszeit Kuh zu einem Fruchtbarkeitsindex (ZW Fruchtbarkeit) zusam­mengefasst. Die Verzögerungszeit entspricht dem Zeitraum zwischen der ersten und der erfolgreichen Besamung eines Tieres. Somit wird die Serviceperiode bei den Kühen als Kombination von Rastzeit und Verzögerungszeit in der ZWS berücksichtigt. Die Rindermerkmale werden mit je 1/12, die Kuhmerkmale Non-Return-Rate und Verzögerungszeit mit je 1/4 und die Rastzeit mit 1/3 gewichtet.

Die ZW für den Geburtsverlauf (Normal- und Lebendgeburtenrate) werden mit einem Mehrmerkmals-Vatermodell geschätzt. Neben dem direkten Geburtsverlauf (Einfluss des Kalbes) werden auch Zuchtwerte für den Einfluss der Kuh geschätzt (maternaler Geburtsverlauf).

Die Zuchtwertschätzung Fleisch umfasst die Merkmale Schlachtgewicht, Fleischigkeit (CH-TAX) und Fettabdeckung für die beiden Schlachtkategorien Bankkälber und Banktiere (Muni, Rinder, Ochsen). Sie basiert auf den Resultaten der neutralen Taxierung in den Schlachthöfen durch die Proviande. Die routinemässige ZWS erfolgt zweimal jährlich im Juni und Dezember und wird durch Mutterkuh Schweiz durchgeführt.
Die Zuchtwerte (ZW) werden über alle Rassen geschätzt und anschliessend innerhalb der Rasse mittels einer Rassenkonstante auf einen Durchschnitt von 100 standardisiert. Die Publikationsbedingungen wurden einheitlich festgelegt. Publiziert werden die ZW, wenn für KB-Stiere Schlachtdaten von mindestens 20 Bankkälbern bzw. Banktieren bzw. für Natursprungstiere von mindestens 10 Bankkälbern bzw. Banktieren vorliegen.

Interpretation der Zuchtwerte

Interpretation der Zuchtwerte Milch, Fett und Eiweiss
Die Basispopulation bei Braunvieh Schweiz sind die 6- bis 8-jährigen Kühe. Der durchschnittliche Zuchtwert dieser Kühe ist gleich Null. Diese sogenannt gleitende Basis wird jeweils im April angepasst und bleibt ein Jahr lang gültig. Die momentan gültige Basis (BS20) wird durch die Brown-Swiss-Kühe mit Geburtsjahr 2012 bis 2014 gebildet. Anhand der ZW kann das genetische Potenzial eines Tieres direkt mit den ausgewachsenen Kühen der Population verglichen werden. Dabei kann die Tabelle „Interpretation der Zuchtwerte“ wertvolle Anhaltspunkte liefern. Die angegebenen ZW-Bereiche sind als grobe Richtwerte zu interpretieren, die dank der gleitenden Basis über mehrere Jahre beibehalten werden können.

Interpretation der funktionellen Merkmale
Die ZW für die funktionellen Merkmale Zellzahl, Mastitis, Persistenz, Nutzungsdauer, weibliche Fruchtbarkeit, Geburtsablauf, Milchfluss, Mastitisresistenz, Temperament und Aufzuchtverluste werden auf die Basis 100 und eine genetische Standardabweichung 12 standardisiert.

Auch Merkmale bei denen tiefe phänotypische Werte erwünscht sind (Zellzahl, Mastitisresistenz, Rastzeit) werden so dargestellt, dass immer hohe ZW angestrebt werden können. Dadurch wird die Interpretation erleichtert: Zwei Drittel aller ZW dieser Merkmale liegen zwischen 90 und 110 Indexpunkten. ZW über 110 gelten als gut, solche über 120 als sehr gut. Extreme ZW über 130 oder unter 70 Indexpunkten sind selten.

Interpretation der Exterieur-Zuchtwerte
In den Vertragsbetrieben Bruna Data und Bruna Classic werden alle Erstmelkkühe linear beschrieben und eingestuft. Die ZW werden als Indices dargestellt. Bei der Indexierung werden die durchschnittlichen ZW der sechs- bis achtjährigen Kühe gleich 100 gesetzt. Eine genetische Standardabweichung beträgt 12. Bei der Interpretation der Balkendiagramme im BrunaNet ist zu beachten, dass nicht immer ein langer Balken nach rechts erwünscht ist.

Interpretation der OB-Zuchtwerte
Die ZW der Original Braunviehtiere werden auf einer separaten Basis dargestellt (Basis OB20). Damit OB-ZW mit Zuchtwerten auf der Brown-Swiss-Basis vergleichbar werden, müssen die in der Tabelle „Interpretation der ZW“ angegebenen Basiskonstanten berücksichtigt werden (ZW OB = ZW BS + OB-Konstante).

 

Interpretation der Zuchtwerte

Wertung
(% aller ZW)
mittel
(ca. 68 %)
gut
(ca. 14 %)
sehr gut
(ca. 2 %)
OB-Konstante
Milch kg -400 bis +400 +401 bis +800> +800629
Fett kg-17 bis +17+18 bis +35> +3528
Fett %-0.15 bis +0.15+0.16 bis +0.30> 0.300.04
Eiweiss kg-12 bis +12+13 bis +25> 2521
Eiweiss %-0.10 bis +0.10+0.11 bis +0.20> 0.20-0.02
MIW90 bis 110111 bis 120> 12018
Persistenz90 bis 110111 bis 120> 120-4
Zellzahl90 bis 110111 bis 120> 120-7
Mastitisresistenz90 bis 110111 bis 120> 120-8
Exterieur90 bis 110111 bis 120> 1204
Nutzungsdauer90 bis 110111 bis 120> 120-9
Melkbarkeit90 bis 110111 bis 120> 120-5
Temperament90 bis 110111 bis 120> 120-1
Fruchtbarkeitsindex 90 bis 110111 bis 120> 120-6
Normalgeburten direkt90 bis 110111 bis 120> 12018
Normalgeburten maternal90 bis 110111 bis 120> 1204
Lebendgeburten direkt90 bis 110111 bis 120> 120-5
Lebendgeburten maternal90 bis 110111 bis 120> 120-5
Aufzuchtverlust90 bis 110111 bis 120> 120-5
GZW900 bis 11001101 bis 1200> 1200*
FIW90 bis 110111 bis 120> 120-15
WZW90 bis 110111 bis 120> 120 *

* wegen unterschiedlicher Gewichtung der Merkmale können GZW und WZW bei BS und OB nicht direkt miteinander verglichen werden

Gesamtzuchtwerte

Mit dem Gesamtzuchtwert (GZW) steht dem Braunviehzüchter in der Schweiz ein modernes Hilfsmittel zur Verfügung. Es kombiniert die Fitnessmerkmale optimal mit den Leistungsmerkmalen. Zusätzlich zum GZW werden auch zwei Teilzuchtwerte, nämlich der Milchwert (MIW) und der Fitnesswert (FIW) sowie ein Weide Gesamtzuchtwert (WZW) berechnet.

Für GZW, MIW, FIW und WZW wird ebenfalls eine gleitende Basis verwendet. Jeweils auf die April-Auswertung werden die Einzelzuchtwerte so standardisiert, dass der Durchschnitt der Basistiere bei 0 (Produktionsmerkmale), resp. bei 100 (Fitnessmerkmale) liegt.
Die Basisanpassung für GZW, MIW, FIW und WZW erfolgt automatisch mit der Basisanpassung der Einzelmerkmale. Für den GZW wird der Basiswert 1000 und eine genetische Standardabweichung von 120 Indexpunkten verwendet. Für MIW, FIW und WZW beträgt der Basiswert 100 und die genetische Standardabweichung 12 Indexpunkte.

Publikationstermine

  • Dienstag, 7. Dezember 2021
  • Dienstag, 5. April 2022
  • Dienstag, 9. August 2022
  • Dienstag, 6. Dezember 2022