Genetische Marker

Braunvieh Schweiz weist Informationen zum Erbfehlerstatus der Tiere auf dem Abstammungsausweis, dem Leistungsblatt oder in anderen Herdebuchdokumenten aus. Die Erbfehlerdeklaration richtet sich nach den Beschlüssen der europäischen Vereinigung der Braunviehzüchter. Sie ist international abgesprochen und erfolgt auch in den übrigen Braunviehländern in gleicher Weise. Stiere, welche für den KB-Einsatz vorgesehen sind, müssen auf sämtliche bekannten Erbfehler getestet sein. Stiere, die als Träger der Spinnengliedrigkeit (Arachonomelie) erkannt werden, dürfen nicht eingesetzt werden.

Erbfehler werden mit einem dreistelligen Buchstabencode deklariert. Die ersten beiden Stellen bezeichnen den Erbfehler, die letzte Stelle den Status (C = Carrier = Träger), F= Free = Erbfehlerfrei).

 

ErbfehlerBezeichnung Erbfehlerfrei
Bezeichnung Träger
Arachnomelie ARF ARC
SMA
SMF SMC
SDM
SDE SDC
Weaver WEF WEC
BH2 B2F B2C
FH2 F2F F2F




Die oben genannten Erbfehler werden alle rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass ein Tier nur erkrankt, wenn es das Erbfehlergen sowohl vom Vater wie auch von der Mutter erhalten hat. Braunvieh Schweiz empfiehlt, Risikopaarungen zu vermeiden. Darunter versteht man Anpaarungen, bei denen sowohl der Besamungsstier als auch das belegte Tier Träger sind. Durch eine SNP-Typisierung mit dem LD-Chip kann über sämtliche aktuell bekannten Erbfehler eine Aussage gemacht werden.

Homozygote Trägertiere eines Erbfehlers werden mit einem D (für disease / souble) gekennzeichnet (z.B. B2D). Für den Züchter hat dieser Spezialfall keine Bedeutung, da solche Tiere - falls überhaupt lebensfähig - nicht in der Zucht verwendet werden.

Hornlose Tiere erhalten folgende Abkürzungen:

HornlosigkeitStatusDeklaration
Eigendeklaration Hornlos POR (polled reported)
Gentest Heterozygot hornlos POC (polled carrier)
  Homozygot hornlos POS (true polled)
  Homozygot behornt POF (polled free)

Wurde ein Tier via genomische Selektion als Gurt- ober Blüem-Träger identifiziert, so wird es wie folgt vermerkt.

Marke
Status
Deklaration
Gurt Träger mischerbig
GUC

Träger reinerbig
GUS
Blüem
Träger mischerbig
BMC
  Träger reinerbig
BMS


Beschreibung der Erbfehler

Arachnomelie ist auch unter dem Namen Spinnengliedrigkeit bekannt. Kälber mit diesem Erbfehler werden tot geboren oder gehen gleich nach der Geburt ein. Sie weisen dünne, verlängerte und brüchige Röhrenknochen auf. Die Gelenke sind verkrüppelt und häufig versteift. Der Kopf weist auf der Stirn eine Delle auf und der Unterkiefer ist stark verkürzt. Dieser Erbfehler wurde vor allem über Beautician beim Braunvieh verbreitet.

SDM wird beim Braunvieh als Abkürzung für die spinale Dysmyelinisierung verwendet. Davon betroffene Kälber liegen ab Geburt fest und zwar meistens in Seitenlage mit gestreckten Beinen. Den Kopf halten sie häufig nach oben hinten („Mondgucker“). Da betroffene Kälber auf keine Behandlung ansprechen, gehen sie in der Regel in der ersten Lebenswoche ein oder werden eingeschläfert. SDM geht auf den Stier Elegant zurück.

SMA steht als Abkürzung für spinale Muskelatrophie. Von diesem Erbfehler betroffene Kälber sind meistens zuerst gesund. Erst mit etwa 3 bis 5 Wochen zeigen sich Lähmungserscheinungen und die Kälber liegen fest. Der Muskelschwund zeigt sich vor allem im Bereich des Stotzens. Später kommen häufig Husten und Atemprobleme dazu. SMA-Kälber werden selten älter als 2 Monate. SMA geht auf den Stier Destiny zurück und wurde bei uns vor allem über Delegate, Matthew, Improver und Jetway weiterverbreitet.

Weaver zeigt sich erst, wenn die Tiere die Geschlechtsreife erreichen oder bereits trächtig sind. Betroffene Tiere zeigen einen unsicheren Gang und magern vor allem in der Nachhand ab. Weaver wurde über die Stiere Target und Matthew vererbt.

BH2 steht als Abkürzung für den Braunvieh Haplotyp 2.Betroffene Tiere werden tot geboren oder gehen in der Regel in den ersten Lebenswochen ein. Tiere, welche aufgrund des Gentests als Träger von BH2 erkannt werden, werden mit dem Kürzel B2C gekennzeichnet.

FH2 steht als Abkürzung für Fleckvieh Haplotyp 2. Es ist ein alter Erbfehler, welcher sowohl in der Fleckvieh-, als auch in der OB-Population vorkommt. Betroffene Tiere zeigen im Verlauf der ersten Lebenswochen ein stark vermindertes Wachstum. Sie sind mittelfristig nicht überlebensfähig. OB- und ROB-Tiere, die als Träger von FH2 erkannt werden, werden mit dem Kürzel F2C gekennzeichnet.

Braunvieh